Festanstellung oder Selbstständigkeit – Was ist die bessere Option für Hochsensible?

Du denkst über eine berufliche Neuorientierung nach und fragst dich, ob du im Angestelltenverhältnis glücklich werden kannst (vielleicht hast du sogar bereits mehrere Festanstellungen hinter dir?) oder ob es nicht an der Zeit ist, dir etwas Eigenes – wenn auch zunächst nebenbei – aufzubauen?

Mit diesen Gedanken bist du nicht allein, denn Fakt ist:

Hochsensible Menschen tun sich oft schwer in Festanstellungen. Dies kann mehrere Gründe haben. Im Folgenden gehen wir einmal auf die Vor- und Nachteile von Festanstellung und Selbstständigkeit ein, um dir Klarheit über deine aktuelle Situation und deine Bedürfnisse zu schaffen.

Vorweg sei noch gesagt: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder Mensch ist individuell und somit die Bedürfnisse, Wünsche und Träume. Genauso wie nicht jeder hochsensible Mensch in einer Festanstellung glücklich werden kann, ist nicht jeder Hochsensible für eine Selbstständigkeit gemacht. Hier darfst du gut abwägen (Wenn du Hilfe bei deiner Entscheidung und Klarheit darüber brauchst, was deine Ressourcen, Fähigkeiten und Möglichkeiten als hochsensible Frau am Arbeitsmarkt sind, trage dich für meine unverbindliche Erstberatung ein: https://cyrbi.com/coaching/). 

Kommen wir nun zu den Vor- und Nachteilen bzw. Herausforderungen, denen Hochsensible im Angestelltenverhältnis und in der Selbstständigkeit gegenüberstehen:

Festanstellung – Vorteile für Hochsensible

1. Regelmäßiges Einkommen

Ganz klar – Ein regelmäßiges Einkommen ist wichtig. Eine Festanstellung – insbesondere mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und einem Gehalt, mit dem du gut zurechtkommst – kann stark zur inneren Ruhe beitragen, was für das hochsensible Nervensystem von großer Bedeutung ist. Hier sei natürlich nicht zu vergessen, dass jedes Angestelltenverhältnis enden kann, jedoch – für die Zeit, in der es Bestand hat – weißt du bereits, wie viel Geld in den kommenden Monaten reinkommen wird, was im Falle einer Selbstständigkeit insbesondere am Anfang meist nicht absehbar ist.

2. Bezahlter Urlaub

Dies ist ein Argument, von dem Selbstständige, die (noch) kein passives Einkommen generieren oder deren Umsätze noch nicht besonders hoch sind, träumen: Urlaub machen und das Geld fließt weiter. Urlaub ohne schlechtes Gewissen. Stattdessen mit der Gewissheit, dass das Gehalt/der Lohn weiterhin eingeht.

3. Bezahlte Krankheitstage

Insbesondere, wenn du dich gesundheitlich in keiner guten Verfassung befindest (was sich natürlich auch wieder ändern kann), ist das Angestelltenverhältnis möglicherweise (wenn auch erstmal vorerst) die bessere Wahl und gibt Halt, Sicherheit und einen festen Rahmen. Anders sieht es natürlich aus, wenn die Arbeit der Grund dafür ist, warum es dir gesundheitlich nicht gut geht. Auch hier darf vorsichtig abgewogen und genau hingesehen werden, weshalb Krankheit überhaupt entsteht.

4. Festes/ Sicherheit gebendes Umfeld (soziales Miteinander)

Dies kann natürlich auch gerade der Punkt sein, weshalb du aus dem Angestelltenverhältnis heraus möchtest, jedoch: Der soziale Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Wenn es dir schwerfällt, über längere Zeit allein zu sein, es dir generell an Kontakten bzw. an einem sozialen Gefüge fehlt, das dir Halt und Struktur gibt etc., kann ein Angestelltenverhältnis mit einem festen und gewohnten sozialen Umfeld für innere Ruhe und ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität sorgen.

5. Wenig Eigenverantwortung

Du brauchst dich nicht darum zu kümmern, woher deine Arbeit kommt. Sie ist „einfach“ da, sprich: Dein Arbeitgeber kümmert sich um die Beschaffung deiner Arbeit. Dies erspart dir Sorgen, die Selbstständige vor allem in der Anfangsphase größtenteils haben. Insbesondere, wenn du dich häufig nicht stabil fühlst, ist dieser Punkt nicht kleinzureden. Ganz gleich, wie es dir geht – Arbeit wird da sein.

6. Wenig Eigendisziplin gefordert

Wenn die Arbeit um 9 Uhr beginnt, bist du um 9 Uhr da (vermute ich mal!:)). Der feste zeitliche Rahmen (der natürlich auch negativ wahrgenommen werden kann), kann eine große Hilfe sein, um einen strukturierten Tagesablauf beizubehalten, je nachdem, wie es um Eigendisziplin und Motivation steht. 

Festanstellung – Herausforderungen/Nachteile für Hochsensible

Kommen wir nun zu den Nachteilen/Herausforderungen, die eine Festanstellung für Hochsensible mit sich bringen mag:

1. Starre Arbeitszeiten / Wenige Erholungsmöglichkeiten

Wohl eine der größten Schwierigkeiten in einem Angestelltenverhältnis stellt für Hochsensible die (in so gut wie allen Fällen) feste Zeitregelung dar. Starre Arbeitszeiten verhindern, sich Pausen zu nehmen, wenn das hochsensible System sie gerade braucht. Hochsensible Menschen profitieren beispielsweise sehr von einer erdenden Morgenroutine und davon, mit genügend Zeit und in Ruhe in den Tag zu starten (mit einem ruhigen Nervensystem, insbesondere, falls der Kopf morgens nach dem Aufwachen rast). Dies ermöglicht es, zentriert und gestärkt mit der Arbeit zu beginnen, was natürlich auch die Produktivität steigert.

Zeitdruck und Hektik am Morgen hingegen sowie ein Chaos im Kopf nach dem Aufstehen, für das keine Zeit zum Sortieren bleibt, strapazieren das hochsensible Nervensystem. Zeitdruck tut Hochsensiblen nicht gut.

Auch können Mittagspausen auf der Arbeit zu kurz oder zu lang sein (zu lang im Sinne von: Der Feierabend verschiebt sich nach hinten). 

2. Vorgesetztenproblem

Auf das „Vorgesetztenproblem“ bin ich bereits in anderen Artikeln eingegangen: Aufgrund dessen, dass hochsensible Menschen in vielen Fällen bereits früh Verantwortung übernommen haben, gern selbstständig arbeiten, ungern beobachtet werden, nicht gesund unter Druck arbeiten können und ein stark ausgeprägtes Gefühl für Moral, Gerechtigkeit und Wahrheit haben, kann es herausfordernd sein, sich einem Vorgesetzten unterzuordnen und Anweisungen zu befolgen.

3. Abgrenzungsproblem

Das Thema Abgrenzung ist einer der Hauptgründe, weshalb ein Großteil der Hochsensiblen früher oder später mit dem Gedanken einer Selbstständigkeit spielt. Abgrenzungsprobleme auf der Arbeit können allein dadurch auftreten, dass viele Menschen an einem Ort zusammenkommen, Geräusche, Gerüche etc. 

Doch auch Ansichten Anderer, unfaires Verhalten, Mobbing etc. führen zu Gedankenkreisen und Abgrenzungsproblemen, genauso wie Sachverhalte auf der Arbeit, die moralisch nicht in Ordnung sind. Oftmals nehmen hochsensible Menschen Arbeitsthemen mit nach Hause, wo die Gedanken noch weiterhin mit Situationen, Gegebenheiten oder Geschehnissen auf der Arbeit beschäftigt sind. 

4. Wenige Urlaubstage

In einem Angestelltenverhältnis wird die Anzahl der jährlichen Urlaubstage vertraglich festgelegt. Diese sind sehr begrenzt. Da das hochsensible System sich jedoch nach längeren Auszeiten sehnt und diese auch braucht, um sich von Reizen und Stress zu erholen, ist die begrenzte Anzahl der freien Tage im Jahr ebenfalls eine Herausforderung für Hochsensible.

5. Keine Ortsunabhängigkeit

Natürlich gibt es Festanstellungsverhältnisse, die eine Ortsunabhängigkeit ermöglichen. Insbesondere in der aktuellen Lage ist das Arbeiten im Home Office so präsent wie nie zuvor. Eine vollkommene örtliche Unabhängigkeit wird jedoch für die wenigsten Festangestellten möglich sein.

6. Monotonie & fehlende Kreativität

Monotones Arbeiten, langweilige Aufgaben und fehlende Kreativität können ebenfalls ein Problem für Hochsensible sein, die es lieben, sich kreativ auszudrücken. Insbesondere monotones Arbeiten kann schnell zur Herausforderung werden, da hier der Sinn zu fehlen scheint. Sinnhaftigkeit ist eines der Hauptmerkmale, nach denen Hochsensible im Job suchen.

Selbstständigkeit – Vorteile für Hochsensible

Kommen wir nun zu den Vorteilen, die eine selbstständige Tätigkeit für Hochsensible bieten kann:

1. Du bist dein eigener Boss

Freiheit, keine Vorgesetzten – Ein Traum für so manch hochsensiblen Menschen. Nicht selten fällt es Hochsensiblen schwer, sich einem Vorgesetzten unterzuordnen, Anweisungen zu befolgen, die sie selbst nicht für richtig oder gar unfair halten etc. Dieses Problem entfällt in der Selbstständigkeit.

2. Möglichkeit zur räumlichen Abgrenzung

Ebenfalls ein Traum hochsensibler Menschen – wenn nicht sogar das Bedürfnis und der Beweggrund schlechthin, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Je nachdem, was du dir aufbaust (Online- oder Offline-Business; allein oder im Team), hast du die Möglichkeit, dich räumlich abzugrenzen. Wenn du Ruhe und Distanz von anderen Menschen brauchst, kannst du dir diese in der Selbstständigkeit schaffen. Keine unangenehmen Arbeitskollegen oder Vorgesetzten und schon gar nicht Menschen in unmittelbarer Nähe, die das eigene Nervensystem belasten.

3. Flexible Arbeitszeiten/Pausen, wann du sie brauchst

Auch hier kommt es darauf an, welche Tätigkeit du ausübst (kannst du ja selbst entscheiden). Wenn eine freie Zeiteinteilung für dich wichtig ist (weil du z. B. Kinder hast oder aus gesundheitlichen Gründen), dann ist dies ein echter Pluspunkt. Du bestimmst selbst, wann und wie viel du arbeitest. Wenn du eine Nachteule bist und in der Nacht am produktivsten arbeiten kannst, kommt dir dieser Aspekt der Selbstständigkeit sehr zugute und kann dir zu wahren Höhenflügen verhelfen, weil du endlich in deinem eigenen Rhythmus arbeiten kannst.

Nicht zu unterschätzen sind übrigens auch die Tage der Periode, die hochsensible Frauen noch feinfühliger machen und teilweise arbeitsunfähig. Eine freie Arbeitszeiteinteilung erlaubt es dir, zu arbeiten, wenn du in deiner Kraft bist und dich zu erholen, wenn du Erholung brauchst.

4. Ortsunabhängigkeit 

Dies ist ebenfalls ein sehr attraktiver Punkt für Hochsensible: Insbesondere, wenn dir beispielsweise die dunklen Wintermonate nicht gut tun, hast du – vorausgesetzt, du führst ein Online-Business – die Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten. Vielleicht hast du aber auch Familienangehörige etc., die du mit deiner Anwesenheit unterstützen möchtest (Hochsensible kommen nicht selten aus herausfordernden Familienverhältnissen). Eine Selbstständigkeit gibt dir u. U. die Möglichkeit, ortsunabhängig zu sein/zu arbeiten. 

5. Selbstverwirklichung und Sinnhaftigkeit

Selbstverwirklichung ist ein großer Wunsch und ein starkes Bedürfnis hochsensibler Menschen. Der Druck, sich selbst zu verwirklichen und „etwas aus dem eigenen Leben zu machen“, etwas zu kreieren und in die Welt zu bringen – wissend, da ist so viel schlummerndes Potenzial – kann enorm sein. Sobald du dich selbst verwirklichst, bist du in deiner Kraft und unaufhaltbar; Es gibt dir Energie, während ein Gefühl von „Gefangensein“ in einem Angestelltenverhältnis dir (möglicherweise) deine Energie nimmt (abhängig vom Einzelfall).

6. Du bestimmst die Höhe deines Einkommens selbst

Natürlich kannst du nicht von Anfang an bestimmten, wie viel Geld zu verdienst, aber: In der Selbstständigkeit liegt das größte finanzielle Potenzial. Mit einem guten Angebot (oder mehreren), Klarheit, Selbstbewusstsein und der richtigen Strategie kannst du dein Business schließlich skalieren und finanzielle Freiheit erlangen.

Selbstständigkeit – Herausforderungen/Nachteile für Hochsensible

So viele schöne (und befreiende) Seiten eine Selbstständigkeit auch hat – natürlich gibt es auch die ein oder andere Herausforderung, insbesondere für hochsensible Menschen:

1. Sich selbst & Anderen Grenzen setzen können/lernen:

Großes HSP-Thema! Hochsensiblen Menschen tun sich generell schwer damit, Grenzen zu setzen – sich und Anderen. In einer Selbstständigkeit darfst du beides üben und praktizieren: Du wirst Kunden/Klienten haben, denen du Grenzen setzen darfst. Genauso darfst du dir selbst Grenzen setzen: Pausen einhalten, nicht zu lange und – vor allem – nicht jeden Tag arbeiten.

In der Selbstständigkeit gibt dir niemand deine Arbeitszeiten vor und wie viel du zu tun hast. Du entscheidest selbst. Wenn du dazu neigst, dir generell zu viel vorzunehmen, mag dieser Punkt, der mit einer Selbstständigkeit einhergeht, ein Nachteil für dich sein.

2. Abgrenzung

Wenn du dich selbstständig machst, ist auch die Sichtbarkeit von Bedeutung. Keine Sichtbarkeit = keine Kunden. Wenn du dich beispielsweise mit deinem Business bei Social Media (Facebook, Instagram etc.) sichtbar machst, darfst du dich von den Meinungen Anderer über dich (und ggf. Nachrichten und Kommentaren) abgrenzen, genauso von den Inhalten, die du auf diesen Plattformen siehst.

3. Struktur/Fokus & Konzentration allein herstellen können:

Als Selbstständige/r hast du niemanden mehr „im Nacken“, der dir sagt, dass es nun Zeit für Konzentration und Produktivität ist. Möglichkeiten, um sich in Fokus und Konzentration zu üben, sind beispielsweise Yoga und Meditation.

4. Gutes Stressmanagement:

Ja, eine Selbstständigkeit ist verbunden mit Druck und Verantwortung. Es lohnt sich jedoch, sich mit einem guten Stressmanagement zu beschäftigen, wenn dies der Weg ist, den du unbedingt gehen willst und ein Angestelltenverhältnis für dich nicht (oder nicht mehr) in Frage kommen sollte. Bewältigungsmechanismen wie emotionales Essen, Rauchen, Netflixen etc. gehören nicht dazu! 🙂 Auch hier eigenen sich Yoga und Meditation wunderbar, um das feine und störanfällige Nervensystem zu beruhigen bzw. um Resilienz für turbulente Zeiten zu entwickeln.

5. Nichts persönlich nehmen

Nicht nur im Privaten, sondern auch im Beruf gibt es Zurückweisung. Wichtig ist hier, zu lernen, nichts persönlich zu nehmen. Wenn jemand dein Angebot nicht will, kann dies die unterschiedlichsten Gründe haben und es muss überhaupt nichts mit dir zu tun haben. Dinge nicht persönlich zu nehmen, ist eine wahre Herausforderung für Hochsensible.

6. Unsicherheiten & Risiken (insbesondere am Anfang) im Gegensatz zum Angestelltenverhältnis

Ganz klar: Als Selbstständige/r hast du jede Menge Verantwortung. Du allein trägst die Verantwortung für dein Business und dafür, dass regelmäßig Geld reinkommt. Dies mag mit großem Druck verbunden sein, insbesondere am Anfang, falls dir die Klarheit über dein Tun fehlt. Eine Möglichkeit, um diese Unsicherheit zu minimieren besteht z. B. darin, sich zunächst nebenbei etwas aufzubauen, bis genügend Sicherheit besteht, um schließlich all-in zu gehen.

Hier sei nochmal darauf hingewiesen, dass all die genannten Punkte individuell unterschiedlich wichtig sind. Hochsensibel ist nicht gleich hochsensibel und so unterschiedlich wie Menschen sind, so individuell sind auch hochsensible Menschen, ihre Bedürfnisse, Wünsche, Vorstellungen und Möglichkeiten.

Kostenloses Beratungsgespräch für mein 1:1-Coaching:

Wenn du nach wie vor am Abwägen bist, ob eine Festanstellung oder eine selbstständige Tätigkeit für deine berufliche Neuorientierung in Frage kommt, lass es uns gemeinsam herausfinden: In einem 20-minütigen kostenlosen Beratungsgespräch klären wir, ob mein 1:1-Coaching für hochsensible Frauen, die ihre Berufung finden wollen, das passende Programm für dich ist: www.cyrbi.com/coaching/  

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.